Dein Mondblut

Der Zyklus, in dem du fruchtbar bist und später blutest, ist heilig und voller Kraft.



Ich weiß, das in dieser heutigen Zeit zu behaupten, hat schon etwas verrücktes an sich. Unsere Gesellschaft und Kultur versteht es sehr gut, den weiblichen Zyklus zu tabuisieren. Die Frauen heute entscheiden sich nicht selten für Tampons und Binden, die den Blutgeruch überdecken und von außen niemals den Anschein erwecken lassen, die Frau könne überhaupt so etwas wie einen Zyklus und eine Blutung haben. Hormonelle Verhütungsmittel, gern auch solche, die die Blutung ganz aussetzen lassen, werden immer noch gern genommen. Trotz zahlreicher Studien und Untersuchungen zu den Nebenwirkungen sind "die Pille" und Hormonspiralen, die tief in unser Hormonsystem eingreifen, immer noch beliebt. Und ich kann es auch in Teilen verstehen, habe ich mich doch selbst vor 14 Jahren für eine lange Zeit für eine Hormonspirale entschieden, die meine Blutung für ganze 8 Jahre stoppte. Nach 7 Jahren war ich emotional und geistig so am Ende, dass ich meinen Arzt anflehte, er möge sie mir rausnehmen. Ich hatte starke depressive Verstimmungen, heftige Stimmungsschwankungen und begann Symptome zu entwickeln, die ähnlich denen der Menopause sind. Zu dieser Zeit war es auch fast so weit, dass ich meinen damaligen Partner fast verlor, denn er hielt meine Launen nicht mehr aus.


Erst nach diesem entscheidenden Schritt und nach der folgenden Schwangerschaft entschied ich mich, von nun an ganz auf Hormone zu verzichten und auf natürliche Weise mithilfe der Sensiplan-Methode meinen Zyklus zu beobachten und zu verhüten. Und mir ging es von Jahr zu Jahr besser. Das praktiziere ich nun seit genau fünf Jahren und fühle mich pudelwohl damit. Und entgegen vieler Skeptiker, die mir anfangs abrieten, gab es nicht einen "Unfall"; nein, ich konnte mit meinem damaligen Partner die Schwangerschaft unseres zweiten Kindes sogar planen, was direkt funktionierte. Ich wusste immer schon, dass ich schwanger war, bevor der Teststreifen positiv anzeigte.


Wie komme ich nun dazu, zu behaupten, der Zyklus sei heilig und voller Kraft?


Als wir noch nicht mit künstlichem Licht geflutet wurden, lebten die Menschen noch mehr im Einklang mit der Natur und deren Zyklen. Von jeher ist es die Frau, die sich magisch von Luna, der Mondin, angezogen fühlt. Haben doch beide eine Gemeinsamkeit: den Zyklus.



So wie die Mondin zu Neumond einen neuen Zyklus beginnt, beginnt die Frau mit der Blutung den Zyklus. Sie lässt alles los, was im vorherigen Zyklus in ihr wachsen wollte. So lässt sie auch los, was sie an Wünschen, Träumen und Plänen in sich trug. Wenn du mit Periodenschmerzen zu kämpfen hast, ist es oft ein deutliches Anzeichen, dass dir das Loslassen nicht gelingt. Die hältst an etwas fest und entwickelst Widerstände, welche im natürlichen Reinigungsprozess zu Schmerzen führen können.


Mit dem Wachsen der Mondin wächst in uns wieder die Gebärmutterschleimhaut heran, welche ein Kind beherbergen kann, wenn es zu uns kommen will. Und so ist der Eisprung und die fruchtbare Zeit davor wie zu Vollmond eine Zeit der Reife, eine Zeit der Ernte, des Hochstandes. Ich weiß noch, dass ich viele Jahre lang um den Eisprung herum nervös, leicht reizbar und emotional verwirrt war. Ich habe lange Zeit diese Energie von "Jetzt ist die höchste Zeit deiner Kraft; jetzt kannst du schöpfen!" ignorieren wollen; habe mich lange Zeit gegen meinen ureigenen Lebensrhythmus gewehrt. Und so hatten mein Körper und mein Nervensystem immer die passenden Antworten parat, die ich nur zu jener Zeit noch nicht deuten konnte.


Heute fühle ich mich mit diesem Wissen von Schöpfen und Loslassen wohl. Ich bin nicht mehr im Widerstand mit diesem Rhythmus; ich heiße ihn willkommen und lasse mich tragen. Auch schäme ich mich nicht mehr für die verschiedenen Emotionen, die im Laufe dieses Mondblutzykluses in mir in verschiedenster Art hochkommen. Weiß ich doch nun, dass sie mir ganz in meinem Rhythmus zeigen wollen, das angeschaut und losgelassen werden oder eben neu geschöpft werden will. Ich akzeptiere und liebe mich so wie ich bin - ganz in diesem einzigartigen Rhythmus, der bei mir tatsächlich etwas anders ist: ich blute zu Vollmond und bin fruchtbar an Neumond.


Und so möchte ich dich ermutigen, deinen Zyklus und dein Blut aus einem ganz neuen Blickwinkel zu betrachten. Hast du ihn je mit den Augen eines kleinen Lebenszykluses betrachtet? Ich möchte dich auch dazu anhalten, einmal bei deiner nächsten Blutung, am allerersten Tag, dir in Stille beim Betrachten deines Blutes die Frage zu stellen: Was lasse ich hier gerade los? Was habe ich in den vergangenen 4 bis 6 Wochen schöpfen und neu kreieren wollen, das nun gehen darf?